19.05.09
Ausflüge zu Brot-Erlebnissen
Brotmuseen und alte Mühlen gibt es in den verschiedensten Regionen der Schweiz. Sie lassen uns staunen über etwas so Alltägliches wie das Brot. Die historischen Mühlen, alten Backstuben und die Handwerksdemonstrationen sind für Jung und Alt einen Ausflug wert.
In den meisten Schweizer Haushalten wird täglich Brot gegessen, am häufigsten zum Frühstück oder als Zwischenverpflegung. Das Brot gehört also sozusagen zu unserem Leben. Deshalb ist es durchaus lohnenswert, auch mal hinter die Kulissen der «Brotbäckerkunst» zu schauen. Doch bei den Brotmuseen und Mühlen bleibt es oft nicht beim Schauen. Wer sich interessiert, darf vielerorts auch zupacken und mitbacken.
Das Handwerk hautnah erleben
Das bekannteste Ausflugsziel zum Thema Brot ist das Freilichtmuseum Ballenberg in Brienz. Nebst jahrhundertealten Gebäuden aus allen Landesteilen der Schweiz, 250 einheimischen Bauernhoftieren und ursprünglichen Gärten und Feldern gibt es Vorführungen von traditionellem Handwerk. So auch vom Handwerk der Bäcker. Jeden Tag von 10 bis 12 Uhr kann man einem von ihnen zuschauen, wie er nach ursprünglicher Art und Weise im Holzofen Brot bäckt. Das ofenfrische Brot wird alsdann gleich nebenan im repräsentativen Haupthaus eines bernischen Grosshofes verkauft. Eine gute Gelegenheit also für eine kleine Verschnaufpause bei einem knusprigen Brötchen. Im selben Haus, im ersten Stock, ist auch die Dauerausstellung «Vom Korn zum Brot» beheimatet. Hier gibt es allerlei Erstaunliches wie ein Weizenbrot aus dem 1. Jahrhundert nach Christus oder das altägyptische Gerstenbrot zu entdecken. Direkt neben dem Grosshof befindet sich der Speicher, in welchem früher Wertsachen und vor allem Vorräte, also auch Korn und Getreide, aufbewahrt wurden. Etwas weiter in Richtung Walliser Häuser findet man zudem eine alte Mühle.
Spielerisches für die Kleinen
Auch im Maison du Blé et du Pain in Echallens gibt es viel Spannendes über das Brot zu erfahren. Die jüngeren Besucherinnen und Besucher sind in diesem Museum besonders herzlich willkommen. «Ti’Grain» – das kleine Körnchen – begleitet die Jüngsten auf der Entdeckungsreise durch die Ausstellung. Spielerisch und zugleich lehrreich wird vieles über die Saat und die Ernte, das Korn und die Gepflogenheiten Brot zu backen vermittelt. So fand ein Backtag früher nur etwa alle drei bis vier Wochen statt. Jedes Familienmitglied hatte seine Aufgabe, bis das duftende Brot aus dem eigenen Backhäuschen herausgenommen werden konnte.
Der Rundgang im Maison du Blé et du Pain endet jeweils in der Bäckerei, die ganz im alten Stil eingerichtet ist. Täglich wird auch hier vor den Augen der Besucherinnen und Besucher frisches Brot zubereitet. Zudem werden regelmässig kinder- und familienfreundliche Veranstaltungen zum Mitmachen und Spielen organisiert.
Mit Interesse für das Besondere
Das Alimentarium in Vevey lädt noch bis am 3. Januar 2010 zur Ausstellung «Forschung und Ernährung» ein. Die Ausstellung zeigt, worum es in der modernen Ernährungswissenschaft geht, und erlaubt einen kurzen Blick auf die Ernährung von morgen, die im Labor bereits heute Form annimmt. Besonderheiten sind ausserdem im Bäckermuseum Imseng in Saas-Fee aufzuspüren. Nebst dem grossen Verkaufsladen findet sich im Untergeschoss alles, was Lukas Imseng in den letzten Jahren mit viel Liebe und Ausdauer gesammelt hat. Das kleine, aber feine private Museum zeigt eine Original-Backstube aus dem Jahr 1920, alte Gerätschaften sowie Back-, Schokolade-, Eis- und Marzipanformen.
Frisches Korn und Mehl riechen
Eine Wassermühle aus dem 15. Jahrhundert findet man in Rosshäusern, in der Gemeinde Mühleberg. Hier drehten in früheren Zeiten mindestens sechs Wasserräder zum Antrieb von Mühlen, Oelen, Stampfen und Sägen. Zur Ehre der Mühlen wurde der Gemeinde der Name Mühleberg verliehen. Eine weitere Mühle aus dem 15. Jahrhundert steht im Museum Rainmühle in Emmenbrücke. Nachweislich wurde hier von 1495 bis 1982 Getreide gemahlen. Die alte industrielle Getreidemühle auf fünf Stockwerken gilt unter den noch vorhandenen Getreidemühlen in der Schweiz als einzigartiges Objekt, da die Maschinen und Einrichtungen aus verschiedenen Epochen authentisch erhalten sind. Auch im Mühlerama in Zürich steht eine bedeutende alte industrielle Mühle. Ein Rundgang über vier Stockwerke zeigt den Weg vom Korn zum Brot auf. Die laufende Mühle ist ein Erlebnis für Auge, Ohr und Nase: Lederriemen sirren, Korn rutscht durch hölzerne Fallrohre, im Becherwerk rumpeln die Schaufeln und es riecht nach Korn und Mehl.
Weitere Informationen zu Brotmuseen und alten Mühlen finden Sie unter: www.schweizerbrot.ch
Brotmuseen, Mühlen und ein Erlebnispfad
Maison du Blé et du Pain / «Musée suisse du Blé et du Pain»
Place de l'Hôtel-de-Ville 5, 1040 Echallens
Telefon: 021 881 50 71, www.maison-ble-pain.com
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 8.30–18.00 Uhr; Montag geschlossen
Ausstellung zur Geschichte des Getreideanbaues, des Müllereiwesens und der Brotbackkunst
Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg
Ostermundiger Haus, 3855 Brienz
Telefon: 033 952 10 30, www.ballenberg.ch
Öffnungszeiten: Montag–Sonntag 10.00–17.00 Uhr
Brotmuseum mit Brauchtumsgebäcken und alten Gerätschaften von der Antike bis heute (div. Veranstaltungen zum Thema Getreide, Mehl und Brot, Möglichkeiten zum aktiven Mitmachen)
«Flühlenmühle»
Jakob Schmid, Mühleweg 4, 3204 Rosshäusern
Telefon: 031 751 10 88, www.fluehlenmuehle.ch
Mühle bei Mühleberg mit Wasserrad und Mahlstein (zum Kornmahlen und Brotbacken)
Obligatorische Anmeldung
Mühlerama
Mühle Tiefenbrunnen, Seefeldstrasse 231, 8008 Zürich
Telefon: 044 422 76 60, www.muehlerama.ch
Öffnungszeiten: Dienstag–Samstag 14.00–17.00 Uhr; Sonntag 13.30–18.00 Uhr; Montag geschlossen
Museum mit alter industrieller Mühle, Dauer- und Wechselausstellungen über die Müllerei
Museum Rainmühle
6020 Emmenbrücke
Telefon: 041 280 53 71, www.museen-luzern.ch/rainmuehle
Öffnungszeiten: März–Dez., sonntags 14.00–17.00 Uhr oder nach Vereinbarung
Rainmühle seit 1495. Alte industrielle Getreidemühleanlagen und Stauwehr
Diverse Events und Wechselausstellungen
Moulins souterrains du Col-des-Roches
2412 Le Col-des-Roches
Telefon: 032 931 89 89, www.lesmoulins.ch
Öffnungszeiten: Montag–Sonntag 10.00–17.30 Uhr; Gruppenführung auf Anmeldung
Einzigartige unterirdische Anlage mit Ölpresse, Dreschwerk, Getreidemühle und Sägewerk
Alimentarium
Rue du Léman 1, 1800 Vevey
Telefon: 021 924 41 11, www.alimentarium.ch
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 10.00–17.00 Uhr; Montag geschlossen
Ernährungsmuseum mit der Ernährungsgeschichte des Menschen
Vieux Moulins de la Tine
1872 Troistorrents, Valais
Telefon: 079 226 33 16, www.vimoti.ch
Öffnungszeiten: Juli–August: Dienstag–Sonntag 14.00–18.00 Uhr; Montag geschlossen
Januar–Dezember: Gruppenführung auf Anmeldung
Bäckerei Museum Imseng
3906 Saas Fee
Telefon: 027 958 12 59
Öffnungszeiten: Montag–Samstag 7.30–18.30 Uhr; Gruppenführung auf Anmeldung
St. Gallisch-Schweizerisches Konditorei-, Confiserie- und Bäckereimuseum
Giessen, Benken SG
Telefon 055 293 50 93
www.baeckereimuseum.ch
Chemin des blés
Granges-Marnand, 1523 C.P. 9
Telefon: 026 668 27 03, E-Mail: chdb@bluewin.ch, www.chemindesbles.ch
Gut markierter Lehrpfad, der sich zu jeder Jahreszeit ideal zu Fuss oder mit dem Fahrrad erkunden lässt, gelegen zwischen Granges-Marnand und Echallens. Der Weg führt vorbei an 38 Dörfern, zahlreichen alten Backöfen und vielen alten Getreidespeichern. Ein Erlebnis für die ganze Familie.
Zur Geschichte des Brots
Das älteste Brot der Schweiz stammt aus dem Jahre 3530 vor Christus. Es wurde ganz erhalten 1976 in Twann gefunden. Hergestellt wurde es aus Weizenkörnern, die auf einer Handreibemühle zerrieben wurden. Dieses Brot gilt sogar als der älteste Brotlaib Europas.
Vom Sammler zum Ackerbauer
Bereits in der Altsteinzeit, bis etwa 10 000 vor Christus, sammelten die Menschen Gräser, deren Körner oder Samen ihnen als Nahrung dienten. In der Jungsteinzeit wurden sie sesshafter und begannen selbst Pflanzen anzubauen. Gemäss archäologischen Funden haben die Menschen in den Randgebieten des Irak bereits vor ungefähr 12 000 Jahren Getreide (Weizen, Gerste, Roggen) gesät und geerntet, in Mitteleuropa erst vor etwa 6000 Jahren.
Die Entwicklung des Backofens
Lange ernährten sich unsere ländlichen Vorfahren hauptsächlich von Getreidebrei. Brot war zunächst nur in den Städten verbreitet, wo es mittelalterliche Zünfte der Pfister (Bäcker) und Müller gab. Seit dem 12. Jahrhundert wurden Roggen- und Schwarzbrote sowie Weizen-, Dinkel-, Gersten- und Haferbrote gebacken. Weisses Mehl war aufwendiger herzustellen, deshalb war weisses Brot noch im 16. Jahrhundert vor allem den Reichen vorbehalten, Halbweissbrot den Wohlhabenden und Ruchbrot dem einfachen Volk.
In der ersten Entwicklungsphase wurde Mehl mit Körnern und Wasser zu Klumpen geformt und angeröstet, damit sie haltbar blieben. Die Masse wurden unter der Asche angebacken, später in Backmulden gegart. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Backofen. Bei den Ägyptern war das Bäckergewerbe bereits vor 4800 Jahren bekannt. Auch bei der Entdeckung des Teigs, der durch einen Gärungsprozess entsteht, waren sie Pioniere. In der Schweiz sind Bäcker erst seit dem Jahr 623 nachgewiesen.
Von Mühlen und Müllern
«Das Wandern ist des Müllers Lust», so besangen die Müller im alten Volkslied ihr Leben. «Vom Wasser haben wir’s gelernt … Das hat nicht Ruh’ bei Tag und Nacht, ist stets auf Wanderschaft bedacht …» Die Müller mussten zu ungewöhnlichen Zeiten übergebührlich viel arbeiten, nämlich immer dann, wenn Wasser und Wind vorhanden waren. Dies galt es auszunutzen, ohne Rücksicht auf die Tageszeit. Und falls ein Müller einmal reich wurde, hatte er dies nicht nur seinem Glück, sondern vor allem seiner Geschicklichkeit und seinem Fleiss zu verdanken.
Sprichwörter greifen auch gerne das Motiv der Mühle auf. Wenn z.B. auf die Tugend der Geduld angespielt werden soll, dann hören wir oft: «Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich fein.»
Die frühesten Berichte über Wassermühlen stammen aus der griechisch-römischen Kultur im 1. Jahrtausend vor Christus. Das Mahlen mit dem Wasserrad war somit während 2000 Jahren eine unveränderte Technik. Heute sind die Wassermühlen in der Schweiz und in den Nachbarländern gänzlich verschwunden.
