06.06.07
Dem Brot auf der Spur
Der Trend ist eindeutig: Die Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz wollen immer genauer wissen, woher die Lebensmittel stammen, die sie konsumieren. Und wie diese entstehen. Museen und die jüngst modernisierte Ausstellung im Freilichtmuseum Ballenberg füllen solche «Wissenslücken» rund um das Thema Brot.
Wer hätte gedacht, dass sich über ein Thema wie «Brot» derart staunen lässt? Doch genau dies passiert jenen Besucherinnen und Besuchern, die im Freilichtmuseum Ballenberg durch die Dauerausstellung «Vom Korn zum Brot» flanieren und dabei zum Beispiel das altägyptische Gerstenbrot, das Weckenbrot aus dem 17. Jahrhundert oder das Weizenbrot aus dem 1. Jahrhundert nach Christus entdecken. Genauso überraschend ist die ausgestellte Vielfalt an aktuellen Brot- und Gebäckformen, die Vielzahl an Kantonsbroten, die weit über das bekannte «Tessinerli» hinausgeht, oder die Sammlung von Brauchtumsgebäck: der Sichletenkorb aus dem Emmental etwa oder die Mitscha, ein Taufgebäck aus dem Lötschental.
Aktuell und attraktiv
Die Dauerausstellung «Vom Korn zum Brot» ist in einem repräsentativen Ostermundiger Vielzweckhaus, nahe des Eingangs West des Freilichtmuseums Ballenberg, beheimatet. Es handelt sich dabei um das Haupthaus eines bernischen Grosshofes, das 1797 nach einem Brand neu erstellt worden ist. Hier präsentiert die Schweizerische Brotinformation (SBI) gemeinsam mit dem Schweizerischen Archiv für Brot- und Gebäckkunde allerlei Wissenswertes über eines der wichtigsten Lebensmittel. Hier kann insbesondere jene derzeit stark wachsende Gruppe von Konsumentinnen und Konsumenten ihre Wissenslücken schliessen, die wieder genauer wissen will, woher unsere Lebensmittel stammen und wie diese entstehen. «Vom Korn zum Brot» zeigt neben vielen Brotsorten zum Beispiel, wie grober Schrot, Weizenkeime, Hafer oder Roggen aussehen. Das Diagramm einer Mühle liefert Aufschluss darüber, wie Getreide zu Mehlprodukten verarbeitet wird.
Auf dieses Jahr hin wurde die Dauerausstellung überarbeitet. Sie kommt nun noch aktueller, frischer und attraktiver daher. Auch ein leichtes Schmunzeln ist garantiert: Auf einer Informationstafel sind zahlreiche Redensarten mit Brot aufgeführt. Wenn sich also Produkte verkaufen «wie warme Weggli» oder jemand «hartes Brot essen muss», dann ist das nur ein kleiner Ausschnitt aus einer Vielzahl solcher Ausdrücke. Einige nostalgische Teigknetmaschinen, Waagen, Backformen, Handmühlen oder Schöpfkellen lassen im Weiteren erahnen, wie früher Brot gebacken wurde.
Einblicke in die Berufswelt
Die Ausstellung liefert auch Interessantes über den Getreideanbau und den Getreidemarkt in der Schweiz oder über den wichtigen Anteil, den Brot an einer gesunden Ernährung hat. Über die eigentlichen Produkte hinaus sind aber zum Beispiel auch wertvolle Informationen über Berufe in diesem Umfeld erhältlich. So ist zu erfahren, dass die Bäcker-Konditor/innen in der Schweiz heute rund 200 verschiedene Brotsorten herstellen. Oder dass die in vielen Märchen und Volksliedern erwähnte «schöne Müllerin» heute längst einen technologisch anspruchsvollen Beruf ausübt, da die meisten modernen Mühlenbetriebe elektronisch überwacht und computergesteuert sind. So wurden aus den Müllerinnen und Müllern im Lauf der Zeit Müllereitechniker – zumindest, wenn diese die Swiss Milling School in St. Gallen erfolgreich durchlaufen haben.
Frisches Brot vor Ort
Direkt neben dem grosszügigen Vielzweckhaus, welches die Dauerausstellung beherbergt, steht der «Speicher von Ostermundigen»: ein im 18. Jahrhundert erbauter dreigeschossiger Speicher, in welchem früher Wertsachen und vor allem Vorräte aufbewahrt wurden. So zum Beispiel Korn und Getreide. Und ebenfalls in unmittelbarer Nähe können die Ballenberg-Besuchenden das «Stöckli von Detligen» besichtigen. Das im 18. Jahrhundert erbaute Wohnhaus für den Altbauern wird heute als Backstube genutzt, darum riecht es dort auch meistens sehr lecker. Das frische Lang-, Rosen-, Weizen- oder Igelbrot aus dem Holzofen wird im Laden verkauft, der sich im Untergeschoss der Dauerausstellung «Vom Korn zum Brot» befindet. So lässt sich das Thema nicht nur theoretisch erfahren, sondern es lädt auch ein, herzhaft zuzubeissen.
Link zum Thema:
Freilichtmuseum Ballenberg: -> www.ballenberg.ch
Kasten zum Thema:
Brot-Erlebnisse in der Schweiz
In der Schweiz gibt es zahlreiche Orte, an denen sich das Thema «Brot»“ auf spannende Art und Weise erleben lässt. Dazu gehört neben dem Ostermundiger Haus im Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienz (siehe Haupttext) etwa das Maison du Blé et du Pain in Echallens (VD), das – speziell auch für Kinder geeignet – die Fertigkeit des Getreideanbaus, Müllereiwesens oder Brotbackens erläutert. Weiter können verschiedene alte Mühlen oder Mühlewerke besichtigt werden. So etwa das Zürcher Mühlerama oder – etwas kleiner – die Flühlenmühle bei Mühleberg (BE), die Vieux Moulins de la Tine in Troistorrents (VS) oder das Museum Rainmühle in Emmenbrücke (LU). Besonderheiten sind ausserdem das Bäckereimuseum im Hotel Imseng in Saas-Fee (VS) – es ist das einzige private Museum dieser Art, das der Öffentlichkeit zugänglich ist – sowie die einzigartigen, unterirdisch angelegten Mühlen in Le Col-des-Roches nahe bei Le Locle (NE).
Links zum Thema:
Maison du Blé et du Pain -> www.maison-ble-pain.com
Flühlenmühle -> www.fluehlenmuehle.ch
Mühlerama -> www.muehlerama.ch
Moulins souterrains du Col-des-Roches -> www.lesmoulins.ch
Bäckereimuseum Imseng -> www.hotel-imseng.ch
Museum Rainmühle -> www.museen-luzern.ch/rainmuehle
Mühle-Backhaus Wichje -> www.backhaus-wichje.ch
