28.05.08
EURO 2008: Ohne Brot läuft gar nichts
Jetzt geht es los: In den nächsten Wochen regiert König Fussball ganz Europa. Doch was ist die schönste Nebensache der Welt ohne unser Grundbedürfnis: das Essen. Mit knurrendem Magen läuft nichts. Weder stimmt die Stimmung bei den Fans, noch die Form der Kicker auf dem Rasen. Brot ist Energielieferant und Sättigungsgarant. Auf dem Menüplan der Schweizer Nationalspieler beansprucht es eine Schlüsselposition.
«Manche tun so, als ginge es im Fussball um Leben und Tod. Dabei geht es um viel mehr!» Dieses Zitat von Bill Shankley, dem legendären Trainer des FC Liverpool, trifft es auf den Punkt: Fussball-Grossereignisse haben sich zu popkulturellen Spektakeln entwickelt, die religiöse Züge in sich tragen und Rivalitäten in rauschenden Festlichkeiten ertrinken lassen. Brot und Spiele haben die Menschen schon im alten Rom unterhalten. Was den Römern heilig war, soll den Fussball-Fans in der Schweiz nur recht sein.
Keine Party ohne Brot
Die Schweizer Bäckereien und Konditoreien lancieren eigene Kreationen zur EURO 2008. Ob Fussballerbrötli, Penaltyschnitten oder der Hopp-Schwiiz-Donut, für das leibliche Wohl der Fans ist gesorgt. «80 Prozent der Bäckereien werden die EURO 2008 nutzen, um Produkte rund ums Leder zu backen», sagt Peter Lyner, Inhaber der Bäckerei Lyner in Winterthur. Er geht mit einem Krustenbrot, das wie ein Fussball aussieht, in die Offensive. «Wir benutzen einen Stempel, sodass das Brot schliesslich die Form eines Sechsecks hat», erklärt Lyner.
Brot statt Chips
Frisch duftendes und knuspriges Brot mundet nicht nur zu jeder Tageszeit, es bildet auch die Grundlage einer gesunden Ernährung. «Brot hat fälschlicherweise ein Dickmacher-Image», sagt die diplomierte Ernährungsberaterin Nathalie Metzger, «dabei kommt es eher darauf an, mit was das Brot belegt wird, denn ins Gewicht fallen die Zutaten.» Gerade während der EM sitzen die Fans vor den Fernsehern und es besteht die Tendenz, dass gedankenlos Chips und Süssigkeiten konsumiert werden. Dies sei ein schlechter Ersatz für gesunde Zwischenmahlzeiten. «Brot ist die bessere Alternative, weil es kein Fett hat», erklärt Metzger. Grundsätzlich sei aber auch beim Brot die Menge und der tägliche Energieverbrauch entscheidend. Es sind hauptsächlich drei Gründe, die zur Attraktivität des Brots beitragen: Brot liefert wichtige Nährstoffe. Es hat einen relativ hohen Sättigungseffekt und ist eines der wenigen Nahrungsmittel, das gekaut werden muss. Letzteres trägt auch dazu bei, dass das Zahnfleisch gesund bleibt.
Metzger empfiehlt den Verzehr von verschiedenen Brotsorten, allerdings «sollte man dem Vollkornbrot den Vorzug geben». Wer sich – als abendliche Hauptmahlzeit – vor dem TV mit einem Sandwich verpflege, belegt mit magerem Schinken oder Trockenfleisch, liege nicht verkehrt, hebt Metzger hervor. Und wer zu wenig Zeit hat, kann sich in den Bäckereien und Supermärkten mit fertigen Sandwichs versorgen. Zur EURO 2008 sind verschiedene Varianten geplant, die sich an Rezepten aus den Teilnehmer-Ländern orientieren. So gibt es zum Beispiel eine Chili-, Curry- oder portugiesische Salami-Version. Schweizer Fans können auf die Klassiker mit gekochtem Schinken oder Käse zurückgreifen.
Alex Frei: Gemüsesuppe und Brot
Auch für die Schweizer Nationalspieler gehört Brot auf den Menüplan. «Brot wird vorwiegend als Beilage oder Zwischenmahlzeit gegessen», verrät Emil Bolli, Koch des Schweizer Nationalteams bei Auslandreisen, «meistens in Form von Schwarz- oder Toastbrot.» Wichtig sei eine ausgewogene Ernährung, «bestehend aus vielen Kohlenhydraten, Mineralstoffen, Vitaminen, Eiweiss und wenig Fett». Nahrungsmittel, die blähend oder schwer verdaulich sind, gelte es in jedem Fall zu vermeiden. Stürmer Alex Frei beispielsweise zählt Gemüsesuppe mit einem Stück Brot zu seinen bevorzugten Gerichten.
Christof Mannhart, Ernährungswissenschaftler des Bundesamts für Sport in Magglingen, ist hauptverantwortlich für das Ernährungskonzept des Schweizer Fussball Nationalteams. «Kohlenhydrate sind für Spitzensportler wie Superbenzin», erklärt Mannhart bildhaft. Im Team sind diejenigen besonders darauf angewiesen, die sehr häufig sprinten und sehr lange Strecken zurücklegen. «Ludovic Magnin zum Beispiel braucht viel Benzin», sagt Mannhart, da er als Aussenverteidiger zusätzlich Offensivaufgaben wahrnimmt.
Täglich 1,5 Kilogramm Brot?
Theoretisch bräuchten Sportler, die Spitzenleistungen auf Nationalteamniveau erbringen müssen, pro Tag cirka 1,5 Kilogramm Brot, um ihren Glykogen-Speicher aufzufüllen, «nur leben die Kicker natürlich nicht vom Brot allein». Aber Brot sei geschmacksneutral und könne mit vielen Lebensmitteln kombiniert werden, betont Mannhart, «deshalb ist es als Energielieferant beliebt». Nicht zu vergessen sei der «Aspekt der Regeneration und die Stärkung des Immunsystems». Aus diesem Grund benötigen die Fussballer auch nach dem Match ein kohlenhydrathaltiges Mahl. Mit Brot, das ausreichend Nähr- und Wirkstoffe enthält, sorgt man für einen leistungsgerechten Energienachschub. Deshalb genehmigen sich die Schweizer Kicker auf Carreisen auch mal ein Sandwich als Zwischenmahlzeit. Vor allem dann, wenn sie als siegreiche Mannschaft nach Hause zurückkehren.
Brot liefert Energie und lebenswichtige Inhaltsstoffe
Brot ist als idealer Energielieferant bekannt und beliebt. Es besteht zu 50 Prozent aus komplexen Kohlenhydraten, die im Körper zu Energie umgewandelt werden. Den Hauptteil der Kohlenhydrate bildet die Stärke, die pflanzliche Speicherform von Glukose. Glukose, die man auch als Traubenzucker kennt, ist die hauptsächliche Energiequelle für sämtliche Körperzellen. Zusätzlich liefert Brot wertvolles pflanzliches Eiweiss, Vitamine, Mineralstoffe sowie Nahrungsfasern. Brot weist zwar einen hohen Nährwert, jedoch einen geringen Fettanteil auf. Aufgrund dieser Qualitäten spielt Brot auch im Spitzensport eine wesentliche Rolle, wobei, je nach Sportart sowie Trainings- respektive Wettkampfphase, spezifische Empfehlungen in Bezug auf den Brotkonsum gelten.
Das Richtige für die Halbzeit
Für Fans der Schweizer Nationalmannschaft:
Wer für die Schweiz «fant», kombiniert herzhaftes St. Gallerbrot mit Emmentaler und Birnenscheiben, es darf natürlich auch Gruyère oder Sbrinz sein.
Für Italienfans:
Wer Italien unterstützt, isst Ciabatta zu einem herzhaftem Salat Caprese (Zutaten: Mozzarella, Tomaten, Basilikum, Öl, Essig und Gewürze).
Für Frankreichfans:
«Les Bleus»-Fans belegen ein frisches Baguette mit Thon und Zwiebeln und eventuell Kapern und schneiden es in praktische Häppchen.
Für Schwedenfans:
Roggen- oder Knäckebrot wird mit pikantem Heringssalat und Randensalat kombiniert (in Schweden sehr beliebt).
Für Griechenlandfans:
Geignet ist eine Fasoládha. Diese herzhafte Bohnensuppe gilt als griechisches Nationalgericht und wird mit weissen Bohnen, Tomatenmark, Karotten, Olivenöl und diversen Gewürzen (u. a. Oregano) zubereitet. Da Griechen zu fast jedem Gericht Brot verzehren, wird in den Tavernen meistens ungefragt eine Portion (Weiss-) Brot zur Fasoládha serviert.
Für Deutschlandfans:
Zur Bayerischen Brezel gehört eine Weisswurst – aber nur eine.
