20.04.07
Gesunder Kick für zwischendurch: das Pausenbrot

Es ist gesund und lecker noch dazu: Für die Schule oder Uni bildet das Pausenbrot der ideale «Snack» für zwischendurch. Brot verfügt über eine Fülle wichtiger Nährstoffe. Und mit etwas Kreativität kann das Pausenbrot zu einem genussreichen Meisterwerk werden, das Spass macht.

Als der junge Starkoch Ivo Adam seine Diplomarbeit schrieb, ergab seine Analyse jugendlicher Essgewohnheiten ein tristes Bild: «Klar zeigt sich, dass ungesunde Zwischenmahlzeiten wie Schokolade oder Cola die Favoriten sind», stellte er fest. Punkto Ernährung ortete er bei jungen Leuten unter anderem den Verlust von Bewusstsein für Herkunft, Regionalität und Ursprung. Stattdessen sah er den Pausenplatz von Schokoladenriegel-Herstellern dominiert. In weiten Teilen wurde Adams Analyse vom jüngsten Ernährungsbericht des Bundesamtes für Gesundheit bestätigt. Dieser zeigt: In der Schweiz gibt es immer mehr Jugendliche, die sich nicht adäquat ernähren. Die einen sind zu dick. Die anderen zu dünn.

Brot bringt’s

Wer den goldenen Mittelweg zwischen Über- und Untergewicht beschreiten will, landet früher oder später beim Brot. Speziell für junge Menschen ist Brot unverzichtbar, wie beispielsweise die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) im Leitfaden «Gesund durch das Lager» festhält: «Kinder und Jugendliche sind in der Wachstumsphase und brauchen mehr Kohlenhydrate als Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche darf deshalb die Stufe ‹Gemüse und Früchte› mit der Stufe ‹Kohlenhydrate› vertauscht werden.» Damit spielt die SAJV auf die Lebensmittelpyramide an. Diese empfiehlt Brot (Stufe Kohlenhydrate) als Beilage zu jeder Hauptmahlzeit. Bei Jugendlichen und Kindern zählt somit die bei Gemüse und Früchten als Optimum geltende Formel: «5 am Tag».

Peter Burri von der Gesundheitsförderung Schweiz bestätigt dies: «Es ist wichtig, dass Kinder sich regelmässig und ausgewogen ernähren. Sie sollten über den Tag verteilt mehrmals etwas zu sich nehmen. Ein gesundes Znüni mit einem Pausenbrot ist absolut zu empfehlen.» Warum dies so ist, zeigt Andreas Dossenbach von der Fachschule Richemont in Luzern eindrücklich auf. «Im Brot sind die Nährstoffe Protein, Kohlehydrate und Fett in einem idealen Verhältnis vorhanden. Es entspricht exakt den modernen ernährungsphysiologischen Anforderungen.» Brot verfüge über wertvolles Eiweiss (Protein), komplexe Kohlehydrate (Stärke), weise wenig Fett auf und sei wichtiger Lieferant von Nahrungsfasern, Mineralstoffen und Vitaminen.

Gerade in der Schule oder an der Universität kann Brot somit als eigentlicher Muntermacher wirken. Oder als «idealer Brainfood», wie es Regula Thut Borner ausdrückt. Die Ernährungsberaterin bei den Schweizer Milchproduzenten sagt: «Ein gut zusammengestelltes Pausenbrot sättigt, liefert vielfältige Nährstoffe und ist leicht verdaulich. Ein gutes Znüni im Bauch verhindert das Leistungstief in der zweiten Vormittagshälfte.» Dem pflichtet Simon Sennhauser von der Stiftung für soziale Jugendprojekte (Schtifti) bei: «Um in der Schule am Ball zu bleiben und an Prüfungen nicht daneben zu schiessen, braucht es vor allem eine konstante Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Damit hat man bereits die halbe Miete für eine gute schulische Leistung drin. Mit einem Pausenbrot kann man die eigene Energiezufuhr optimal aufrechterhalten.»

Beilagen mit Pfiff

Simon Sennhauser weiss, wovon er spricht. Unter anderem zusammen mit Ivo Adam führt die Schtifti Workshops an Schulen durch, bei der es auch um clevere Ernährung geht. «In einem Stück Vollkornbrot steckt beispielsweise mehr drin, als man denkt», sagt Sennhauser. Er ist sich zwar bewusst, dass es gerade bei Jugendlichen auch auf den «Style» ankommt. Mit etwas Geschick könne man aber aus einem Stück Brot viel herausholen. Nicht nur das Schtifti-Kochbüchlein bietet hierzu einige Tipps. Manchmal genügt auch einfach die eigene Phantasie.

Christina Daeniker Roth, Ernährungsberaterin beim Migros-Genossenschafts-Bund, gerät beispielsweise ins Schwärmen, wenn sie über die Ausgestaltung von Pausenbroten nachdenkt: «Richtig spannend wird ein Sandwich erst durch Zutaten wie Essiggurken, Salatblätter, Kräuter, Gurken- oder Tomatenscheiben, Rüeblistreifen, Kresse, Rettichsprossen, Senfsprossen, Schnittlauch, Basilikum, getrocknete und in Öl eingelegte Tomaten, gekochte Eier ... Der Fanatsie sind keine Grenzen gesetzt.» Wer es gerne etwas simpler hat, könne das Brot – besonders bekömmlich ist Ruch- oder Vollkornbrot – mit einem fettarmen Aufstrich versehen und je nach Lust und Laune mit etwas Käse (auch Frisch- oder Schmelzkäse), gekochtem Schinken oder Trockenfleisch belegen, sagt sie. Fettreiche Wurstwaren wie Salami oder Aufschnitt seien aus Ernährungssicht hingegen weniger günstig.

«Das sinnvolle Pausenbrot sollte nicht durch unsinnige Beläge verunstaltet werden», bringt es Andreas Dossenbach von der Fachschule Richemont auf den Punkt. Wer mag, könne darum auch einfach eine saftige Frucht zum Brot kombinieren, was besonders gesund sei. Ansonsten sieht Dossenbach verschiedene Alternativen, was die Brotaufstriche angeht: zum Beispiel Quarkaufstriche statt Butter, Halbfett- oder Frischkäse statt Vollfettkäse oder Mayonnaise mit Quark statt reine «Mayo».

Brot und Spiele

Allerdings ist nicht nur der Inhalt eines Pausenbrotes für die Bekömmlichkeit und die gesunde Ernährung junger Leute entscheidend. Es gilt, auch das richtige Augenmass für die Grösse eines Pausensnacks zu entwickeln. «Das Znüni oder Zvieri sollte dem Bewegungsverhalten und dem Hunger des Kindes angepasst sein. Es ist nicht sinnvoll, mit ungünstigen Zutaten oder einem übergrossen Pausenbrot den Appetit auf die Hauptmahlzeit zu schmälern», sagt die Ernährungsberaterin Monika Müller von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Ursula Zybach von der Krebsliga Schweiz pflichtet ihr bei: Es sei wichtig, «dass die Energiemenge stimmt und man das Pausenbrot mengenmässig nicht mit dem Mittagessen verwechselt».
Zybach spricht damit auch auf die enorm wichtige Energiebilanz an. Wer Energie aufnimmt, muss solche auch verbrauchen. Alle Fachleute erklären denn auch übereinstimmend, dass die Pause an der Schule oder an der Uni unbedingt auch für Bewegung genutzt werden sollte. Die Schtifti hat diese Kombination für das junge Publikum perfektioniert und tritt mit der «Freestyle Tour» gegen Übergewicht, unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel an. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler, wie Breakdance, Frisbee oder Skating Spass in die Bewegung bringen können. Mit dabei sind junge Köchinnen und Köche, die den Jugendlichen anhand der Lebensmittelpyramide das Thema Ernährung veranschaulichen – und dabei auch auf den Nutzen eines leckeren Pausenbrotes verweisen.

Links zum Thema:
Stiftung für soziale Jugendprojekte (Schtifti):-> www.schtifti.ch
Bundesamt für Gesundheit (Ernährungsbericht):-> www.bag.admin.ch
Suisse Balance (Ernährung & Bewegung für Jugendliche):-> www.suissebalance.ch

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