13.05.05
Passt Brot noch in eine moderne Ernährung?

Christine Römer-Lüthi, Dr. phil.nat. Wie in der Vergangenheit immer wieder erlebt, schwappt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Diät-Welle aus den USA zu uns in Form der Atkins-, South-Beatch-, Glyx-Diäten, um nur einige Beispiele zu nennen für so genannte «Low-Carb-Diäten». Das sind Ernährungsformen, die wenig Stärke und Zucker, aber beliebige Mengen an Eiweiss und Fett enthalten. Sie weichen somit deutlich ab von den anerkannten Empfehlungen. Interessiert an solchen Ernährungsformen sind übergewichtige oder fettleibige Menschen, denn sie versprechen sich davon eine Gewichtsabnahme trotz uneingeschränkter Nahrungszufuhr. Das widerspricht aber dem grundlegenden Prinzip der Energieerhaltung.

Wie funktionieren Diäten?Um Gewicht verlieren zu können, muss der Energieverbrauch grösser werden als die Energiezufuhr, weil nur dann körpereigene Reserven abgebaut werden. Eingeschränkt werden kann der Kohlenhydrat- und/oder der Fettanteil der Nahrung. Eine starke Einschränkung des Eiweissanteiles hingegen hat langfristig eine Mangelernährung zur Folge und sollte darum vermieden werden. Programme, die nicht nur die Ernährungsseite, sondern auch die Bewegung berücksichtigen, versprechen grundsätzlich mehr Erfolg, weil sie einerseits durch die Bewegung den Energiebedarf erhöhen und gleichzeitig die Energiezufuhr über die Nahrung einschränken.Die fettreduzierte Ernährung: Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie wie gleich viele Gramm Kohlenhydrate. Darum kann bereits durch die Einsparung einer kleinen Fettmenge eine erhebliche Menge Energie gespart werden, ohne das Volumen der Nahrung wesentlich zu verkleinern. Gemüse und Salate dürfen bei einer fettreduzierten Ernährung reichlich gegessen werden. Getreideprodukte finden darin ebenfalls ihren Platz, sofern sie nicht fettreich zubereitet werden. Zu bevorzugen sind dabei Vollkornprodukte, da sich der Faseranteil und die daran gebundenen Mineralstoffe positiv auf den Stoffwechsel auswirken. Diese Art Ernährung kann abwechslungsreich gestaltet werden und sättigt gut, sofern Eiweiss und über die erwähnten Nahrungsmittelgruppen genügend Nahrungsfasern darin enthalten sind.Kohlenhydratarme Ernährungsformen: Wenn solche Diäten streng gehandhabt werden, sind Getreide, Kartoffeln oder Obst und Zucker ganz ausgeschlossen. Lediglich Salat und Gemüse, das wenig Stärke enthält, sind erlaubt. Die Energiezufuhr erfolgt fast ausschliesslich in Form von Eiweiss und Fett. Sie zielen darauf ab, die Insulinausschüttung möglichst tief zu halten, um dadurch den Körper zum Abbau der Fettreserven zu veranlassen. Es entsteht dabei eine mehr oder weniger ausgeprägte Übersäuerung des Körpers, auch als Ketoazidose bezeichnet.

Die beiden Ernährungs-Formen im Vergleich
Bisher sind vergleichende, gut kontrollierte Untersuchungen mit stark fettleibigen Personen über maximal ein Jahr durchgeführt worden. Eine kohlenhydratarme, energieverminderte Ernährung bewirkte in den ersten Monaten einen rascheren und ausgeprägteren Gewichtsverlust als eine fettverminderte Reduktionskost bei gleicher Energiezufuhr. Nach einem Jahr war aber kein Unterschied im Durchschnittsgewicht der beiden Gruppen mehr festzustellen.
Anhand der ausgeschiedenen Mengen von Ketonkörpern kann überprüft werden, wie gut eine kohlenhydratarme Diät eingehalten wird. Es zeigte sich, dass nach 12 Wochen die kohlenhydratarme Ernährung nicht mehr von allen streng eingehalten wurde. Hingegen bleibt eine fettreduzierte Ernährung über Jahre abwechslungsreich genug, dass sie auch eingehalten werden kann. Das zeigen Befragungen von Personen, die nach einem Diätregime ihr tieferes Gewicht über mehrere Jahre haben halten können.
In den bisher durchgeführten Studien ist lediglich untersucht worden, wie sich die Blutfettwerte von fettleibigen Personen durch eine solche Ernährungsumstellung verändern. Es ist nichts bekannt über sonstige Langzeitauswirkungen einer reinen Fett- und Eiweissernährung auf die Gesundheit.

Neuere Empfehlungen
Abgestützt auf unzählige Untersuchungen und Bevölkerungsstudien, sind 2002 für den Nordamerikanischen Kontinent neue Empfehlungen für die energieliefernden Nährstoffe veröffentlicht worden, (vgl. Tabelle 1).

Nährstoff / % der Energiezufuhr:
Fett: 20-35
Kohlenhydrate: 45-65
Eiweiss: 10-35

Tabelle 1: Empfehlungen für die Zufuhr von energieliefernden Nährstoffen für gesunde Erwachsene gemäss dem Institute of Medicine of the National Academies

 

Ernährungspyramiden

Ernährungspyramiden stellen Ernährungsempfehlungen auf eine ganz andere Art dar. Sie zeigen bildlich auf, dass in einer ausgewogenen Ernährung sämtliche Nahrungsmittelgruppen einen Platz finden sollen. Durch ihre Form weisen sie aber auch darauf hin, dass die zugeführte Energiemenge mit dem Energiebedarf im Gleichgewicht stehen muss.
Neuerdings wird darin auch aufgezeigt, dass wer sich körperlich betätigt, dafür Energie verbraucht und dadurch zur Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts beitragen kann.

Wie sollte eine Mahlzeit zusammengesetzt sein?

Wie Tabelle 1 zeigt, braucht der menschliche Organismus hauptsächlich Kohlenhydrate für seine Energieversorgung. Es sind die stärkehaltigen Nahrungsmittel, welche diese Energie liefern. Empfohlen wird, sie in einer Mahlzeit zu kombinieren mit Nahrungsmitteln aus der Gruppe Gemüse & Obst und mit Eiweisslieferanten. Eine so zusammengesetzte Mahlzeit sättigt nachhaltig, denn faserhaltige Nahrungsmittel und Eiweiss verzögern die Magenentleerung und sorgen dafür, dass der Stärkeabbau in Raten erfolgt.

Welchen Stellenwert nimmt Brot ein?

Brot ist hierzulande ein sehr wichtiger Stärkelieferant. Die Vielfalt an verschiedenen Sorten trägt zu seiner Beliebtheit bei. Vor allem als unkomplizierte Zwischenverpflegung kommt ihm grosse Bedeutung zu. Kombiniert mit einer eiweisshaltigen Beilage und ergänzt durch Obst oder einen Salat, lässt sich daraus auch ohne fettreiche Aufstriche eine vollwertige und sättigende Mahlzeit zusammenstellen. Vorzuziehen ist dabei Vollkornbrot, denn es hat den Vorteil, dass es einen Grossteil der Vitamine, Mineralstoffe und Nahrungsfasern des Getreides liefert. Den Fasern aus Vollkorngetreide wird in den neuesten Empfehlungen der USA grosse gesundheitliche Bedeutung beigemessen. Untersuchungen an grossen Bevölkerungsgruppen haben nämlich gezeigt, dass Personen mit einem erhöhten Konsum an Vollkorngetreide(produkten) besser gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes Typ 2 geschützt sind als Personen mit einem geringen Verzehr.
Brot liefert zusätzlich zur Stärke wertvolles Eiweiss, Vitamine und Mineralstoffe. Dieses Nahrungsmittel versorgt darum breite Bevölkerungskreise mit wichtigen Nährstoffen und sollte keinesfalls auf dem täglichen Speisezettel fehlen.

<- Zurück zu: Medienmitteilungen